Pflegestufen

Beantragt wird die Einordung in eine Pflegestufe über die Pflegekasse, welche identisch mit der jeweiligen Krankenkasse ist. Dann wird der medizinische Dienst der Krankenkasse beauftragt, den Hilfsbedarf zu ermitteln. Ein Mitarbeiter führt ein Gespräch mit dem Betroffenen und ermittelt so den Hilfsbedarf. Das so ermittelte Gutachten wird dann seitens der Pflegekasse geprüft und gegebenenfalls wird die Einstufung in eine Pflegestufe rückwirkend ab Antragstellung festgestellt.

Die Hürden zur Erlangung einer Pflegestufe sind hoch, sodass nicht jeder hilfe- oder pflegebedürftige Mensch auch Leistungen aus der Sozialen Pflegeversicherung erhält.

So wird anhand eines Katalogs ermittelt, ob der Betroffene „regelmäßig widerkehrende Verrichtungen des täglichen Lebens“ nicht mehr selbst verrichten kann.

 

So wird alleine die Grundpflege in drei Unterbereiche aufgeteilt:

  1. Körperpflege – Waschen, Duschen, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Toilettengang
  2. Ernährung – mundgerechte Zubereiten, Aufnahme der Nahrung
  3. Mobilität – selbständiges Aufstehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Verlassen der Wohnung

Das Verrichten der Hauswirtschaft ist ein weiterer Prüfpunkt: Einkaufen, Kochen, Putzen, Wäschewaschen

Das Bundesministerium für Gesundheit führt zu den einzelnen Pflegestufen Folgendes aus: Entsprechend des Umfangs des Hilfebedarfs werden die Pflegebedürftigen einer von drei Pflegestufen (I, II oder III) zugeordnet. Je nach Pflegestufe unterscheidet sich auch die Höhe der Leistungen. Bei einem außergewöhnlich hohem Pflegeaufwand kann in der Pflegestufe III auch ein sog. Härtefall vorliegen.

Der Versicherte hat die Möglichkeit gegen die Entscheidung seiner Pflegekasse Widerspruch einzulegen.

Personen mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz, die zwar einen Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung haben, jedoch noch nicht die Voraussetzungen für eine Einstufung in die Pflegestufe I erfüllen, haben bereits seit dem 1. Juli 2008 Anspruch auf einen Betreuungsbetrag in Höhe von 100 oder 200 Euro im Monat. Man spricht hier von der so genannten "Pflegestufe 0". Darüber hinaus wurden durch das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz weitere Leistungsverbesserungen insbesondere für demenziell erkrankte Menschen eingeführt: Ab dem 1. Januar 2013 bis zur Anwendung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs erhalten sie mehr und – mit der häuslichen Betreuung – auch zielgenauere Leistungen. So besteht in der so genannten "Pflegestufe 0" erstmals Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen. In den Pflegestufen I und II werden die bisherigen Beträge aufgestockt. Zudem können nun bereits in der so genannten "Pflegestufe 0" Verhinderungspflege sowie Pflegehilfsmittel und Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfelds in Anspruch genommen werden.

Pflegestufe I – Erhebliche Pflegebedürftigkeit

Erhebliche Pflegebedürftigkeit liegt vor, wenn mindestens einmal täglich ein Hilfebedarf bei mindestens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) erforderlich ist. Zusätzlich muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden. Der wöchentliche Zeitaufwand muss im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten betragen, wobei auf die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen müssen.

Pflegestufe II – Schwerpflegebedürftigkeit

Schwerpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten ein Hilfebedarf bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) erforderlich ist. Zusätzlich muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden. Der wöchentliche Zeitaufwand muss im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden betragen, wobei auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen.

Pflegestufe III – Schwerstpflegebedürftigkeit

Schwerstpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn der Hilfebedarf bei der Grundpflege so groß ist, dass er rund-um-die-Uhr, auch nachts anfällt. Zusätzlich muss die pflegebedürftige Person mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der wöchentliche Zeitaufwand muss im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden betragen, wobei auf die Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) mindestens vier Stunden entfallen müssen.

Härtefallregelung

Sind die Voraussetzungen der Pflegestufe III erfüllt und liegt ein außergewöhnlich hoher bzw. intensiver Pflegeaufwand vor, kann die Härtefallregelung in Anspruch genommen werden. In diesem Fall gibt es höhere Leistungen.

Für die Feststellung eines außergewöhnlich hohen Pflegeaufwands im Sinne der Härtefallregelungen ist Voraussetzung, dass:

  • die Hilfe bei der Grundpflege (Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität) mindestens sechs Stunden täglich, davon mindestens dreimal in der Nacht, erforderlich ist. Bei Pflegebedürftigen in vollstationären Pflegeeinrichtungen ist auch die auf Dauer bestehende medizinische Behandlungspflege zu berücksichtigen.

oder

  • die Grundpflege für den Pflegebedürftigen auch nachts nur von mehreren Pflegekräften gemeinsam (zeitgleich) erbracht werden kann. Das zeitgleiche Erbringen der Grundpflege des Nachts durch mehrere Pflegekräfte erfordert, dass wenigstens bei einer Verrichtung tagsüber und des Nachts neben einer professionellen Pflegekraft mindestens eine weitere Pflegeperson die nicht bei einem Pflegedienst beschäftigt sein muss (zum Beispiel Angehörige) tätig werden muss. Durch diese Festlegung soll erreicht werden, dass nicht mehrere Pflegekräfte eines Pflegedienstes hier tätig werden müssen.

Zusätzlich muss ständige Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung erforderlich sein.

Die einzelnen Pflegestufen ab 2013 in EUR/Monat, ohne Übernahme der gewähr auf Richtigkeit:

 

Stationär

 

Stufe I

1023

Stufe II

1279

Stufe III

1550

Härtefall

1918

 

 

Pflegesachleistungen

 

Stufe 0 mit Demenz/erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz

225

Stufe I

450

Stufe I mit Demenz

665

Stufe II

1100

Stufe II mit Demenz

1250

Stufe III

1550

Härtefall

1918

 

 

Pflegegeld

 

Stufe 0 mit Demenz

120

Stufe I

235

Stufe I mit Demenz

305

Stufe II

440

Stufe II mit Demenz

525

Stufe III

700

 

 

Zusatzbetreuungsleistung

 

Grundbetrag

100

Erhöhter Betrag

200

(Quelle: Bundesministerium für Gesundheit, Bundesminister Bahr)

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