Helga Jacobs

gestorben am 9.12.2016. Sie erhielt als langjährige Wegbereiterin für die Montessori-Bewegung noch in 2016 das Bundesverdienstkreuz.

Neben ihrer eigentlichen Berufstätigkeit im Bankensektor absolvierte Frau Jacobs 1970 ihr Montessori-Diplom. Seit diesem Zeitpunkt engagierte sie sich vielfältig ehrenamtlich an Grundschulen und vormals auch an dem Cäcilien-Gymnasium in Düsseldorf.

Vor allem aber hat sie selber Lernmaterialien im Sinne Montessoris „hilf mir, es selbst zu tun“ entwickelt.

Laut Wikipedia war die Italienerin Maria Montessori 1870 geboren und konnte nur unter großen Schwierigkeiten nach einem Erststudium Medizin studieren, da Frauen das Studium zu der Zeit oft noch verwehrt war. Sie kam so mit „schwachsinnigen Kindern“ in Kontakt, wobei sie erkannte, dass deren Begleitung mehr ein pädagogisches und weniger ein medizinisches Problem sei. Sie entwickelte ein Konzept, um diese Kinder zu lehren, welches sie später erfolgreich auf sozial schwach aufgestellte Kinder übertrug und für normal begabte Kinder weiterentwickelte. Ganz langsam breitete sich ab 1950 dieser Lehrgedanke in den USA und weiter in Europa aus.

Ein Hauptgedanke von Montessori ist die Freiarbeit, bei der alle Kinder unterschiedlicher Klassenstufen zusammenarbeiten, sodass jeder dem anderen altersübergreifend hilft und alle voneinander profitieren. Weiter verwendet Montessori Lernmaterialien, vor allem aus Holz oder Pappe/Papier, um Wissen zu vermitteln.

Frau Jacobs entwickelte über 360 Lernmaterialien für diese Freiarbeit. So entwickelte sie als Beispiel Karten zu allen europäischen Bäumen: Eine Eiche, ein weiteres Bild zeigt die Eiche im Winter, dann ein Bild der Eichenblätter und eines der Eicheln – jeweils mit Bild und Text. Somit können die Kinder die ganze Baumlandschaft einander zuordnen, zudem den Lebenszyklus der Bäume und die Photosynthese spielerisch lernen. Denn es zeigt sich, dass solch selber zusammengetragene Bilder sich stärker im Gedächtnis der Kinder verankern.

Über diese Lernmaterialien hielt Frau Jacobs später auch Vorträge im Rahmen der Lehrerfortbildung am Pädagogischen Institut in Düsseldorf, aber auch in anderen
Städten und an Universitäten.

Ihre Freiarbeitsmaterialien wurden in Dortmund an der Universität sogar für die deutsche Grammatik vorgestellt.

Mittlerweile sind ihre Freiarbeitsmaterialen weltweit nicht nur in der Montessori-Pädagogik bekannt.

Bereits 2002 erhielt Frau Jacobs den Martinstaler der Stadt Düsseldorf im ersten Jahr der Verleihung für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement.

Frau Jacobs selber sieht eine Verpflichtung der Großelterngeneration gegenüber den Enkeln. Mit ihrer Arbeit konnte sie etwas weitergeben an die nachfolgenden Generationen über ihre zwei eigenen Enkelkinder hinaus.

Gerade seit der Pensionierung von Frau Jacobs aber gab ihr das Ehrenamt auch viel wieder. Sie bot sieben Jahre offene Kurse im Bürgerhaus Eller in Düsseldorf an. Weiterhin war sie im Schulstundenplan einer Düsseldorfer Montessori-Grundschule fest eingebunden. So hatte sie ständig Kontakt zu Kindern, welches ihr viel Freude bereitete.

Und ihre ehrenamtliche Arbeit ist ansteckend, alleine an ihrer Grundschule in Düsseldorf gibt es mittlerweile 9 Schulomas.

Maren Jackwerth, November 2017

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